Nahrungsmittelproduktion und Verschwendung

Nahrung achten statt verschwenden
Nahrung achten statt verschwenden – Xpert.Digital – Bild: Apolinarias|Shutterstock.com

Anzahl der unterernährten Menschen weltweit bis 2020

Im Jahr 2020 litten weltweit rund 683,9 Millionen Menschen an Unterernährung. Damit ist die Zahl gegenüeber dem Vorjahr wieder etwas angestiegen. Insgesamt hat sich die absolute Zahl der Betroffenen in den letzten zehn Jahren reduziert und liegt unter der Milliardengrenze, die zuletzt Anfang der neunziger Jahre durchbrochen wurde. Die weltweite Prävalenz von Unterernährung ist dagegen in den letzten fünf Jahren konstant geblieben und beläuft sich derzeit auf knapp 9 Prozent.

Anzahl der unterernährten Menschen weltweit
Anzahl der unterernährten Menschen weltweit

Afrika und Asien am stärksten betroffen

Am schwersten von Unter- und Mangelernährung betroffen sind Afrika und Asien. Mehr als 90 Prozent aller unterernährten Menschen leben in diesen beiden Regionen und hier vor allem sĂĽdlich der Sahara und in Ost- und SĂĽdostasien. In vielen subsaharischen Ländern steigt die Prävalenz von Unterernährung , teilweise auf 50 Prozent und darĂĽber hinaus. Laut dem Welthunger Index – einer Aggregation verschiedener ernährungsrelevanter Faktoren – war das Tschad 2020 das am stärksten von Hunger und Unterernährung betroffene Land der Welt.

Was heißt Unterernährung?

Die Welternährungsorganisation (FAO) definiert Unterernährung als Zustand, in dem die gewohnheitsmäßige Nahrungsaufnahme eines Individuums nicht ausreicht, den Energiebedarf für ein normales und gesundes Leben zu decken. Der durchschnittliche Mindestenergiebedarf pro Person liegt bei ca. 1.800 kcal pro Tag. Der exakte Bedarf eines Menschen ist individuell. Er wird durch das Alter, die Körpergröße, das Aktivitätsniveau sowie physiologischen Bedingungen wie etwa Krankheit, Infektion, Schwangerschaft oder Stillzeit beeinflusst.

Lebensmittelverschwendung

Lebensmittelverschwendung bzw. -vergeudung (englisch Food waste, dort wortgleich mit der Bezeichnung für „Lebensmittelabfall“) bezeichnet das Phänomen, dass vor allem in „entwickelten“ Ländern bzw. Industriestaaten große Teile der zur menschlichen Ernährung hergestellten Lebens- bzw. Nahrungsmittel vernichtet werden – aufgrund z. B. schlecht oder nicht geplanter oder zu umfangreicher Einkäufe, Überschreitung von Mindesthaltsbarkeitsdaten oder weil sie aufgrund eines Überangebots oder Unkonformität nicht verkauft werden dürfen oder konnten oder erst gar nicht in den Handel gelangen.

Ursachen der Verschwendung

Die Ursachen der Verschwendung sind vielfältig. So wird zum Beispiel zu viel eingekauft; die Lebensmittel werden vom Endverbraucher falsch gelagert. Auch die Ăśberschreitung von Mindesthaltsbarkeitsdaten spielt eine wichtige Rolle. Aber auch bei der „Gewinnung“ von Lebensmitteln kann es zu Verschwendung kommen, etwa, wenn bei einer nicht-nachhaltigen Fischerei der Beifang nicht lebend dem Meer zurĂĽckgegeben wird. Weitere Ursachen sind eine vermeidbare falsche Lagerung, Schädlingsbefall, Ăśberproduktion, wodurch zu viele Lebensmittel hergestellt werden, die dann keinen Abnehmer finden, des Weiteren Transportschäden, aber auch ĂĽberanspruchsvolle Vorstellungen beim Kunden, die etwa nicht normgerechte Produkte ablehnen bzw. nicht kaufen.

Folgen der Verschwendung

Der für die USA zwischen 2015 und 2017 beispielsweise hochgerechnete durchschnittliche Lebensmittelmüll von 150 kg pro Person und Jahr hat die Vergeudung bzw. den unsinnigen Einsatz von 354.000 Tonnen Pestiziden und mehr als 816.000 Tonnen Stickstoffdünger bedeutet; die für Deutschland für den WWF hochgerechneten 18 Millionen Tonnen vergeudeten Lebensmittel haben ohne Not 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Produktionsfläche zusätzlich erforderlich gemacht und 48 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt.

Die Kompensation, die zum Ausgleichen des Verlusts an den meist aus lapidaren Gründen weggeworfenen Lebensmitteln in reichen Industriestaaten erforderlich wird, führt dazu, dass kraft der Zwänge des Marktes die Verwendung von rund 30 % der weltweiten Anbauflächen für die Lebensmittelverschwendung in den Industriestaaten priorisiert werden.

Nahrungsmittelverschwendung kostet Ressourcen (etwa für zusätzliche Düngung, Transport, Lagerung usw.) und führt damit unmittelbar oder mittelbar zu einem gesteigerten Energieverbrauch und damit zu einem schnelleren Klimawandel. Aufgrund der endlichen Verfügbarkeit der Ressourcen in ihrer Gesamtheit muss Nahrungsmittelverschwendung zwangsläufig dem Welthunger indirekt Vorschub leisten.

Laut einer Erhebung der FAO aus dem Jahr 2006 ist der globale Viehsektor für 18 % aller menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das Ausmaß sei gefährlich für die globale Nahrungsmittelproduktion, so die FAO, da die Ausweitung von Anbau- und Weideflächen immer mehr Wald vernichten würde. Ein großer Waldverlust würde die globale Erwärmung beschleunigen und damit die landwirtschaftlichen Erträge mindern. Das könne nach Befürchtungen des UN-Umweltprogramms UNEP Konsequenzen bis hin zu einer globalen Missernte haben.

Laut einer Studie des Freiburger Öko-Instituts könnten bis zum Jahr 2030 mehr als 110 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden, wenn die Menschen ihre Ernährungsgewohnheiten nur leicht ändern würden. Dies entspricht einem Viertel der Treibhausgase aus der Nahrungsmittelproduktion.

 

Lösungen aus der Industrie gegen die Verschwendung: Logistik & E-Commerce

ZurĂĽckgeschichte Ware automatisiert wieder in den Warenfluss (Warenlager) integrieren
ZurĂĽckgeschichte Ware automatisiert wieder in den Warenfluss (Warenlager) integrieren – Xpert.Digital – Bild hacohob|Shutterstock.com

Eine automatisierte Retournierung hilft die zum größten Teil noch neuwertige und ungeöffnete Ware schnell in den Warenkreislauf zurückzuführen. Nicht nur, dass es die Bearbeitungskosten senkt, es schont auch unsere natürlichen Ressourcen und vermeidet unnötige Vernichtung neuwertiger Produkte, wie sie leider oft vorkommen.

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Welternährungstag – 16. Oktober – Verschwende keine Lebensmittel

Verschwende keine Lebensmittel
Verschwende keine Lebensmittel – Xpert.Digital – Bild: sunethrt|Shutterstock.com

Situation in einzelnen Ländern

Deutschland

Laut einer vom deutschen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beauftragten Studie der Universität Stuttgart von 2012 wurden in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, was 138 kg pro Person entspricht. Laut der Mitte 2015 veröffentlichten Studie „Das große Wegschmeißen“ der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) waren es zu dieser Zeit 18 Millionen Tonnen, das entsprach zusammen durchschnittlich 313 kg pro Sekunde auf landwirtschaftlichen Produktionsflächen (Acker, Feld), im Einzelhandel, in Kantinen oder in Privathaushalten als „Abfall“ bzw. „Müll“ vernichteter genießbarer Lebensmittel.

Im Jahr 2019 ergab eine Studie des Thünen-Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, dass die Gesamtabfallmenge in Deutschland rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle (Frischmasse) beträgt. Demnach entsteht in privaten Haushalten mit 52 Prozent ein Großteil der Lebensmittelabfälle. Der Studie zufolge werden jährlich rund 75 Kilogramm pro Person in deutschen Haushalten weggeworfen.

Nach den vom Institut für nachhaltige Ernährung an der Universität Münster 2018 für den WWF berechneten Zahlen wurden 60 % der vergeudeten Lebensmittel in der Wertschöpfungskette und 40 % bei den Endverbrauchern vernichtet.

Schweiz

In der Schweiz fallen pro Jahr eine Million Tonnen Lebensmittelabfälle aus Privathaushalten, 950.000 Tonnen aus der Lebensmittelindustrie, 290.000 Tonnen aus der Gastronomie, 224.500 Tonnen aus der Landwirtschaft und 100.000 Tonnen aus dem Detailhandel an. Von den total 2.564.500 Tonnen wären zum Zeitpunkt der Entsorgung noch zwei Drittel genießbar.

USA

Nach einer Studie von der amerikanischen Universität Vermont warfen die Landesbewohner zwischen 2007 und 2014 täglich durchschnittlich 422 Gramm Nahrungsmittel weg, also mehr als 150 kg jährlich.

MĂĽlldeponie

MĂĽlldeponie
MĂĽlldeponie – Xpert.Digital – Bild: Huguette Roe|Shutterstock.com

Gegenstrategien, Proteste, Kampagnen und Initiativen gegen Nahrungsmittelverschwendung

Als Protestform gegen die Nahrungsmittelervschwendung wird von Menschen manchmal das Containern gewählt. In zahlreichen Ländern gibt es Initiativen und Kampagnen gegen Nahrungsmittelverschwendung. Im Jahr 2015 wurde von mehr als 190 Staaten die UN-Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die Ziele sehen unter anderem vor, dass bis 2030 die Nahrungsmittelverluste pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbiert und die entstehenden Nahrungsmittelverluste entlang der Produktions- und Lieferkette verringert werden.

Mitglieder des EU-Parlaments sowie z. B. die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderten von daher eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030, der WWF einen „nationalen Aktionsplan“.

Das deutsche Bundesland Bayern erfasst seit 2012 die Daten der landesweit auftretenden Lebensmittelverluste; Baden-Württemberg hat die Vermeidung von Lebensmittelabfällen in seinem Abfallwirtschaftsplan verankert, Nordrhein-Westfalen als erstes deutsches Bundesland einen „Runden Tisch“ zum Thema installiert.

Initiativen wie z. B. foodsharing.de oder United Against Waste engagieren sich auf verschiedenen Ebenen zur Verbesserung der Problematik und der Entwicklung von Gegenstrategien wie z. B. verbessertem Management entlang der Wertschöpfungskette, nachhaltigeren Marketingstrategien oder der Veränderung von Konsumgewohnheiten. 2017 wurde die App Too Good To Go mit dem Bundespreis Ecodesign ausgezeichnet.

In China hat eine Kampagne den Titel „Esst die Teller leer!“.

In 54 untersuchten Ländern landeten im Jahr 2019 noch schätzungsweise 931 Millionen Tonnen Lebensmittel oder 17 % der gesamten Lebensmittel, die den Verbrauchern zur Verfügung standen, im Abfall.